Zum Glück bin ich kein Doktor

Alex R.

Die Dissertation der Bildungsministerin Schavan wirft ein schlechtes Licht auf das bereits bröckelnde Image deutscher Bildungseinrichtungen und die Qualität unserer Studiengänge.

Davon ausgehend, dass die harte Gangart der Düsseldorfer Universität begründet ist, bleibt doch das Gefühl, die rote Landesregierung würde im Wahljahr kräftig unterstützen. Außerdem wirft die Diskussion erneut ein sehr schlechtes Licht auf ein akademisches Milieu, das eigene Regeln wenig bis gar nicht beherzigt. Doktorväter und Universität tragen eine Mitverantwortung, auch wenn die Promotion schon 30 Jahre her ist. Wenn Frau Schavan erklärt, wie sie die Doktorarbeit geschrieben hat, dass die Struktur und Gliederung mit Hilfe von Karteikarten entstanden ist, dass Recherchen in vielen Bibliotheken und aus noch mehr Notizen entstanden ist, dann tendiere ich dazu, einzelne kopierte Sätze nicht überbewerten zu wollen. Sich vorzustellen – nach 30 Jahren – Frau Schavan könne im einem Prozess noch glaubhaft darstellen, welches Zitat auf welcher Karteikarte eigenen Gedanken entsprang, ist unmöglich. Es braucht mindestens einen Doktorvater sowie einen Zweitgutachter und, bei Zweifeln sogar einen Drittgutachter. Die Promotion spielt sich doch auch nicht im Geheimen ab. Die Doktorarbeit liegt üblicherweise im Dekanat aus, sodass sich jeder ein eigenen Urtail bilden kann, ja muss. Die Universität Düsseldorf hat also zumindest eine moralische Mithaftung. Nach meiner Asicht wurden und werden bis heute elementare Verfahrensregeln aus Zeitmangel missachtet. Ich bin deshalb gespannt, welche Plagiate aus den vergangenen 20 Jahren – im digitalen Zeitalter der Copy und Paste Generationen – noch auftauchen werden. Jeder zweite promovierte und in der Öffentlichkeit stehende Manager wird heute schon nervös seine damalige Doktorarbeit ansehen. Endlich auch wird die Flut der Doktoranden der vergangenen Jahre hoffentlich wieder kleiner werden. Und viele diplomierte Führungskräfte werden froh sein, keine Promotion an ihr Studium angehängt zu haben. In diesem Sinne – liebe deutsche Gerichtsbarkeit – lassen Sie im Falle unserer Bundesministerin Fairness walten.

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