Unternehmen könnten den Bewerbungsprozess erfolgreicher gestalten…

Andreas U.

Das einst durch den Personalverantwortlichen geführte Vorstellungsgespräch ist heute zu einem ausgeglichenen Dialog geworden. Nicht zuletzt durch den Mangel an Fach & Führungskräften und die in den Medien zuhauf diskutierte Generation Y haben heute Bewerber bessere Karten. Dank eines veränderten Bewerbermarkts sucht nicht nur der Arbeitgeber sich seine Mitarbeiter aus, auch der Top-Manager hat heute die Möglichkeit, unter einer Vielzahl von Angeboten zu wählen. Deshalb sind die Unternehmen bzw. die Spitzenkräfte mehr denn je dazu aufgefordert selbst Engagement und Sensibilität walten zu lassen. Bisher hatten Personalverantwortliche die Phantasie, dass sich Bewerber um offene Stellen reißen, jedoch ist die Realität 2013 eine andere. Die Situation hat sich heute verändert und das Machtverhältnis zwischen Bewerber und Unternehmen hat sich verschoben.

Gerade der Mittelstand muss heute auf eine Reihe von Kleinigkeiten innerhalb des Bewerbungsprozesses achten, um sich gegen die Konzernlandschaft durchzusetzen. Es ist klug, bereits frühzeitig das Vertrauensverhältnis zum Bewerber aufzubauen. Bereits beim Erstkontakt sollte man darauf achten, dass man im ständigen Austausch mit dem Bewerber steht, vor allem persönlich – nicht nur telefonisch oder per E-Mail. Dies ist essentiell für den positiven Verlauf des Bewerbungsprozesses.

Die Aufgabenstellung, individuell auf den Bewerber einzugehen, ist aber gar nicht so leicht, wenn man bisher eine Standardpräsentation und eine oberflächliche Unternehmensvorstellung dargeboten hat. Deshalb finden sich inzwischen auch Geschäftsführer oder Personalleiter in der Rolle eines Verkäufers wieder. Allzu oft wird eine wertschätzende und respektvolle Verständigung auf Augenhöhe durch eine deutliche Anzahl an Bewerbern vermisst und kritisiert. Zu oft bekommen die Kandidaten das Gefühl sie werden durch unterschiedliche Prüfinstanzen geschleust. Dabei hilft beispielsweise bereits eine respektvolle Kommunikation bei der Abstimmung von Gesprächsterminen oder Telefoninterviews und der zukünftige Mitarbeiter fühlt sich berücksichtigt und ernstgenommen. Desweiteren gilt es, die Bedürfnisse des Bewerbers, z.B. den fachlichen Anspruch, den gebotenen Verantwortungsumfang oder die Flexibilität in Sachen Kind & Karriere herauszufinden, um zielgerichtet darauf einzugehen. Ob dem Geschäftsführer der neue Leiter Sales & Marketing oder der Entwicklungschef gegenüber sitzt ist unerheblich, eine intensive Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch wird maßgeblich dessen Ausgang bestimmen.  Kurzum, das Unternehmen muss, um erfolgreich zu sein, sich die Frage beantworten, welche Attribute der Position für den Kandidaten besonders wichtig sind und welche Vorteile er sich davon verspricht. Dass der Bewerber empfangen wird und nicht nach seinem Ansprechpartner suchen muss, ist dabei genauso wichtig wie ein repräsentativer Besprechungsraum. Ein ungestörtes Gespräch sollte in jedem Fall ermöglicht werden.  Pünktlichkeit, Aufmerksamkeit und aufrichtiges Interesse wird von beiden Parteien erwartet. Ein Unternehmen, das seine potenziellen Manager ohne Begründung warten lässt oder Wichtigkeit suggeriert, vermittelt kein professionelles Bild. Das Interview dagegen darf auch strukturiert ablaufen, es sollte jedoch ein Dialog entstehen und der Interviewer sollte auf die Antworten des Bewerbers eingehen. Während dem Gespräch sollte Positives als auch Negatives zu der Stelle angesprochen werden, damit der Bewerber ein realistisches Bild von der Position bekommt. Viele Bewerber wünschen sich an diesem Punkt einen kurzen Einblick in den Betrieb, um ermessen zu können, ob die Umgebung und das Team mit der eigenen Vorstellung harmonieren. Unternehmen die sich einige Minuten nehmen und das Unternehmen nicht nur virtuell beschreiben haben die Nase vorn. Am Ende des Gespräches ist es wichtig, dem Bewerber einen Ausblick zu geben, wie sich der Prozess weiter gestaltet. Aus meiner Sicht ist es wichtig, zeitnah dem Bewerber ein Feedback zum Gespräch zu geben oder über Zwischenstände zu informieren um den Kandidaten für sich zu gewinnen und keine Chance zu verspielen.

Am Ende eines jeden erfolgreichen Bewerbertages lautet das entscheidende Stichwort Individualität – es macht Mühe zahlt sich aber aus, wenn der Bewerber das Gefühl hat, dass er keine Nummer ist und sich wertgeschätzt und ernst genommen fühlt.

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