Roboter – Sie sind smart, sie übernehmen Arbeit – aber machen Sie uns das Leben wirklich leichter?

Katja Westrich

Das Wort „Roboter“ erinnert den ein oder anderen wahrscheinlich noch an klassische klobige Androiden wie C-3PO oder Wall-E oder man denkt vielleicht auch an den Terminator oder die Frauen aus Stepford … was auch immer einem in den Sinn kommt, es ist nicht unbedingt das, was man aktuell in modernen Unternehmen erwartet. Und doch ist die Robotik & Prozessautomatisierung für ein schnelles Wachstum in vielen Branchen gerüstet. Die Automatisierung wird nicht von humanoiden Robotern gemacht, sondern von intelligenter Software, die mit Geschäftsanwendungen interagiert, um Prozesse zu rationalisieren. Allerdings hat die robotergestützte Prozessautomatisierung ein paar Gemeinsamkeiten mit Ihren bevorzugten fiktiven Robotern. Alle Roboter (auch die bösen) wurden geschaffen, um den Menschen bei ihrer Arbeit zu helfen.

Automatisierungssoftware gibt es schon seit Jahrzehnten. Wall-E räumte den Müll auf, Datenscans suchen nach Lebensformen im All und die Automatisierung stellt sicher, dass Sie sich nicht in unnötiger Arbeit verlieren, da die Notwendigkeit menschlicher Eingriffe in wiederholte Prozesse stark reduziert wird. Dadurch steigt die Rentabilität im Unternehmen beispielsweise durch Vermeidung menschlicher Flüchtigkeitsfehler wenn es um Präzision geht und/oder durch eine erhöhte Produktivität durch z.B. die Automatisierung in der Serienfertigung … um zunächst nur zwei Teilbereiche mit Potential für Automatisierungslösungen zu nennen. Letztlich aber könnte jeder einzelne Vorgang in einem Unternehmen automatisiert gesteuert werden, angefangen beim Empfang von Kundendaten, der Übertragung der Daten auf einen Produktionsserver, der Bereinigung und Umwandlung der Daten, dem Auslösen einer Bestellung beim Lieferanten über die klassische Produktion in einem vollautomatisierten Umfeld und die anschließende Verpackung sowie der Bereitstellung für den Versand, bis hin zum Kundenservice und der Reklamationsbearbeitung. Theoretisch ist das heute bereits nahezu ohne menschliches Zutun möglich. Und dabei vergessen wir bitte nicht die parallel zu bedienenden IT-Prozesse – die Einspeisung der Daten eines jeden Produktionsschritt in diverse Netzwerke – in Echtzeit, ohne Datenverlust. Alles ist zu jeder Zeit und an jedem Ort zur weiteren Verwendung verfügbar.

Grundsätzlich halte ich die rasante Entwicklung in der Automatisierung und der Robotik für begrüßenswert. Denn natürlich ist es ein Mehrwert, für alle Branchen und auch für alle Bereich des täglichen Lebens, angefangen beim Nutzen der Entwicklungen im Sensorik und Robotik-Bereich für den Endverbraucher an sich, als auch als Arbeitnehmer, dem dadurch neue Perspektiven der beruflichen Entfaltung geboten werden. Routinearbeiten werden weniger, der Arbeitsort ist flexibel, es ergeben sich ganz neue Möglichkeiten des kreativen und effizienten Arbeitens. Jeder einzelne kann dadurch in seinem Job besser sein, als er es jemals zuvor war – als noch viel Zeit mit Abstimmung, Daten sammeln, Listen pflegen, Qualitätskontrolle, Ablage, usw. aufgewendet werden musste. Und es ergeben sich vor allem für die jungen Generationen ganz neue Berufsfelder, interessante und anspruchsvolle Ausbildungs- und Studieninhalte, Raum zum Entwickeln von Visionen und neuen Ideen, weit ab von den klassischen Lerninhalten der letzten Jahre & Jahrzehnte. Wir brauchen für alle Anwendungen im Bereich der Automatisierung & Robotik weiterhin gute Projektmanager, Entwickler, Technologie-Spezialisten, ebenso wie Service- und Anwendungsingenieure. Aber an vorderster Stelle brauchen wir fähige Programmierer und Software-Spezialisten für Dinge, die wir uns heute noch nicht einmal vorstellen können.

Nun … von dieser Seite aus betrachtet, klingt das doch alles durchweg positiv, aber die Automatisierung hat natürlich auch Ihre Schattenseiten. Von den üblichen „kleineren“ Schwachstellen, wie z.B. dem fehlenden Schutz vor Hackerangriffen, einer fehlenden Gesetzeslage, etc. mal abgesehen, ist an erster Stelle nicht jeder Mensch in unserer Gesellschaft für diese Berufe geeignet. Denn die zukünftigen Berufsmöglichkeiten im zwar weiten Feld der Automatisierungstechnik werden – im Großen & Ganzen – dennoch von nur 3 anspruchsvollen Themenfeldern bestimmt: Elektrotechnik, Mathematik und Programmierung – und das liegt natürlich nicht jedem. Heute ist schon deutlich in den Stellenbörsen ersichtlich, wohin die Reise geht. Gefühlt kommt schon in einem Drittel der aktuellen Stellenausschreibungen der Satz „Kenntnisse in der Programmierung von xyz“ oder „Sie haben ein Studium im Bereich der Elektrotechnik, Mathematik oder Mechatronik erfolgreich abgeschlossen“ vor. Das Fazit daraus ist dann leider, das im Laufe der flächendeckenden Vollautomatisierung viele Menschen Ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Und das mag ich mir eigentlich gar nicht vorstellen.

Kürzlich habe ich gehört, dass einige Unternehmer und Geschäftsführer von der Vollautomatisierung in Ihren Betrieben Abstand nehmen, da Sie Sorge haben, dass Sie mit Ihren Arbeitskräften am Ende auch Ihre Kunden verlieren. Man muss sich an dieser Stelle vorstellen, dass die Menschen in die Erwerbslosigkeit rutschen und im Zuge dessen mangels Einkommen nicht mehr die gleiche Kaufkraft haben wie heute und dementsprechend weniger konsumieren. Ob das nun so eintrifft … darüber kann man diskutieren, aber eine Überlegung ist dieses Szenario zumindest wert. Was meinen Sie?

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.