Karriere-Apps – sinnvoll und informativ oder unnütz und unvollkommen?

Christian Mayer

Nachdem der Facebook-Zug längst den Bahnhof verlassen hat und nahezu alle Unternehmen aufgesprungen sind, geht der Trend derzeit in Richtung Mobile Recruiting. Nicht nur Konzerne wie SAP, Telekom, Daimler, E-Plus oder Datev setzen auf sogenannte Job-Apps. Viele weitere Global Player wie Google, Rolls Royce und EADS sowie zunehmend der Mittelstand, wenngleich sehr branchenabhängig, setzen zunehmend auf Karriere-Apps und wollen die heiß gehandelten, jungen und innovativen Bewerber für sich gewinnen.

Bereits vor Beginn der Job-Recherche werde ich ausgebremst – schade, wenn ausgerechnet die App meines Wunscharbeitgebers nur für Apple-Produkte verfügbar ist. Der Wahnsinn beginnt gleich mit der Wahl des Smartphones, und keine Plattform, ob Android, RIM, Apple oder Windows bietet mir das, was mein Bewerberherz begehrt.

Nun habe ich endlich entsprechende App installiert und freue mich über ein Angebot an Stellen, die meiner Qualifikation entsprechen. Doch gleich werde ich vor die nächste zu nehmende Hürde gestellt. Nachdem ich mich durch den Filter der Job-App gekämpft und einige persönliche Daten eingepflegt habe, entdecke ich endlich ein passendes Stellenangebot, an dessen Ende der potenzielle Arbeitgeber auf das unternehmenseigene Karrieretool und seine Karriereseite im Internet verweist – irre.

Ausgerechnet jetzt, wo ich im Park sitze und Zeit für eine Bewerbung habe, muss ich mich mit einer umständlichen Navigation auseinander setzen. Dazu kommt das alte Lied, dass kein Ansprechpartner genannt ist. Selbst wenn das Stellenprofil schlüssig ist, möchte ich wissen, ob meine Bewerbung vom Fachbereichsleiter und oder der Personalleitung gelesen wird.

Mittlerweile gibt es auch Apps und Arbeitgeber, die bereits einen „Bewerbung absenden“ – Button in ihrer Applikation installiert haben. Daneben die Möglichkeit, für sich zu werben und auf sein Profil in LinkedIn oder Xing aufmerksam zu machen – schön. An der Stelle haben aber auch die Marketingverantwortlichen ihre Hausaufgaben gemacht. Es scheint, als lassen einige Unternehmen keine Gelegenheit aus, mit unterhaltsamen Filmchen und Animationen zu werben und die App damit unnötig aufzublasen. Wenn ich nicht schon annähernd überzeugt wäre, würde ich mich nicht bewerben, dazu noch über die eigens dafür entwickelte App. Als Projektmanager dreht sich bei mir alles um Effizienz, Kosten und den Faktor Zeit.  Hinzu kommt: Jeder Mensch möchte maximalen Erfolg mit minimalem Einsatz. Wenn also eine Karriere-App, dann greife ich doch lieber zu einer App, die von Stepstone oder Monster angeboten werden. Dort habe ich wenigstens das Gefühl annähernd über den Arbeitsmarkt informiert zu sein.

Hätte ich gewusst, wie nervenaufreibend die Suche nach meinem Traumjob und der Tag in der Sonne aussehen, hätte ich verzichtet und wäre Zuhause geblieben, wo meine Bewerbung bereits versendet sein könnte. Trotz meiner Begeisterung für Online-Lösungen bin ich an dieser Stelle etwas enttäuscht. Meine Erwartungen an informative, intuitive und leicht zu führende Karriere-Apps wurden nicht erfüllt, dafür wurde mein Spieltrieb gefördert.

Am Ende ist aus meiner Sicht ein weiterer Recruiting-Kanal für Unternehmen entstanden, in den man viel Geld stecken kann. Ich bin überzeugt, kein Bewerber wird sich lange mit unausgereiften Lösungen und unzähligen App´s auseinandersetzen. Aber wie bei allen Trends gilt auch hier: Dabei sein ist alles.

Leave a Reply

avatar
  Subscribe  
Notify of