Jobsuche mit 60+ … Wie stehen meine Chancen?

Katja Westrich

Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg ist die Erwerbsquote bei den über 60-Jährigen deutlich gestiegen. Na Bravo! Für diese Erkenntnis möchte ich jedem an dieser Studie Beteiligten persönlich gratulieren. Wer hätte das gedacht? Aber vor allen Dingen … wem soll dieses Ergebnis nützen? Logischerweise schlägt sich die sogenannte demografische Verschiebung in den Zahlen der Forscher nieder. Die Älteren arbeiten länger und es kommen nicht mehr so viele Junge nach. So hat sich laut IAB in den vergangenen 20 Jahren die Erwerbsquote der 60- bis 64-Jährigen mehr als verdoppelt. Und „Nein!“, das ist leider keine positive Entwicklung, auch wenn es politisch gerne mit einem wohlwollenden Unterton kommuniziert wird. Viele ältere Arbeitnehmer, insbesondere in handwerklichen Berufen, würden gerne früher in Rente gehen, können es sich aber schlichtweg nicht leisten. Sie brauchen zumindest den Zusatzverdienst zur staatlichen Rente, um die Lebenshaltungskosten decken zu können und schleppen daher auch mit 74 Jahren noch die Zementsäcke, wobei einem Beobachter bei diesem Anblick eher Mitleid als Anerkennung durch das Gehirn schießt.

Anders sieht es natürlich in den Berufen aus, bei denen die geistige Arbeit im Vordergrund steht. Hier können auch gut und gerne 75-Jährige durch Ihren großen Erfahrungsschatz punkten und dem Unternehmen Mehrwert bringen. Gepaart mit der Innovation der „jungen Wilden“ ist das sicherlich eine schöne Win-Win-Kombination. Aber die Realität sieht in den meisten Unternehmen anders aus. Kosten müssen gesenkt werden. Es muss gespart werden … um jeden Preis, und daraus folgt letztlich oft die unschöne Maßnahme – getarnt als Umstrukturierung -, die älteren (teuren)  durch junge (günstige) Arbeitnehmer zu ersetzen.

Und nun … Wie stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für beispielsweise einen 60-Jährigen Vertriebsprofi mit einem Jahreszielgehalt von 90.000 Euro? Was glauben Sie? Die meisten Unternehmen suchen stressresistente, langfristig orientierte Mitarbeiter mit innovativen Ideen zu einem möglichst günstigen Gehalt bei stabiler Gesundheit. Man könnte natürlich auf die Hälfte des bisherigen Einkommens verzichten, aber das wirkt dann auch irgendwie verzweifelt. Bei ausgeschriebenen Führungspositionen ist häufig schon die Hälfte der Bewerber 55+ und die Konkurrenz daher groß. Letztlich gehen viele leer aus und können Ihren hart erarbeiteten Lebensstandard nicht bis ins Rentenalter halten. Und ändern wird sich daran wahrscheinlich auch zukünftig nichts. Deshalb ärgere ich mich persönlich über Studien und Artikel, die einen Trend mit zahlreichen negativen Aspekten, als (aus politischer Sicht) positive Entwicklung darstellen.

Herzlich,

Ihre K. Schiffmann

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