Das Experiment: Kandidat auf Probe

Andreas U.

Vor der Einstellung werden üblicherweise Bewerber auf Herz und Nieren geprüft – wirklich? Ist es sinnvoll, dass die Manager ihre neuen Mitarbeiter zuvor Probearbeiten lassen und ist ein erweitertes Assessment-Center, eine Art Try-Out Prozess, überhaupt möglich?

Bei dem WordPress-Entwickler Automaticc gehört es zur Personalphilosophie, dass sich Mitarbeiter vor der Einstellung zunächst in Projekten beweisen müssen (gegen Bezahlung). Dadurch versucht das Unternehmen, Misserfolge mit potenziellen Führungskräften und Mitarbeitern zu umgehen, die Fluktuation im Team gering zu halten und Kündigungen in der Probezeit zu vermeiden.

Offensichtlich auch eine gute Möglichkeit, die Motivation des Kandidaten zu prüfen. Sich in einem Vorstellungsgespräch gut zu verkaufen, ist wesentlich einfacher, als sich wochenlang jeden Tag aufs Neue beweisen zu müssen. Und eine gute Gelegenheit den potenziellen Mitarbeiter zu integrieren und ihm Verantwortung zu übertragen. Zugleich Chance und Risiko für den Bewerber. Einerseits kann er sich durch Engagement, Mitarbeit und Kreativität profilieren. Andererseits bleiben vermutlich vor den Gesichtspunkten Vorsicht und Sicherheit viele Stärken und Potenziale, aber auch verborgene Schwächen unentdeckt. Desweiteren scheint hierdurch das Urteil über Sieg oder Niederlage zur Teamentscheidung zu werden und die Geschäftsleitung lässt subjektive Meinungsbildung zu.

Letztlich ist dieser Rekrutierungspozess auch mit hohen Kosten verbunden, denn die Kandidaten in die Projekte einzuführen ohne zu wissen, ob sie im Endeffekt eingestellt werden, ist zunächst eine Investition. Daher ist diese Art der Mitarbeitergewinnung sicher nur etwas für größere Firmen. Es lässt den Gedanken zu, dass dieser Ansatz in kleinen Unternehmen bzw. in produzierenden Abteilungen sowohl aus personal- als auch wirtschaftlichen Gründen nicht umsetzbar ist.

Und ob sich ein berufserfahrener bzw. berufstätiger Bewerber so viel Zeit nehmen kann und will ist ebenso fraglich. Der „Mitarbeiter auf Probe“ ist für mich ein interessanter aber wenig erfolgversprechender Ansatz der nur situativ und in passender Unternehmenskultur erfolgreich sein kann – ich halte nichts davon.

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