Zählt für Bewerber nur das Gehalt? Nein, das Gesamtpaket muss stimmen

Stephanie

Wenn es um die Ansprüche von Bewerbern geht, wird häufig die Generation Y herangezogen. Den im Zeitraum 1980 bis 2000 Geborenen wird oft unterstellt, sie seien zwar gut ausgebildet, technikaffin und digital vernetzt, aber auch nicht besonders belastbar, kritikunfähig sowie sei ihnen die persönliche Selbstverwirklichung und Zeit für Familie & Freunde wichtiger als Erfolg im Beruf.

Ich persönlich bin der Meinung, dass sich dieser Sinneswandel nicht durch eine neue Generation sondern hauptsächlich durch die geänderte Situation am Arbeitsmarkt – Unternehmen müssen nun um gute Kandidaten werben – und aufgrund der gesteigerten Möglichkeiten durch die Digitalisierung entwickelt hat.

Ein schönes Beispiel, dass nicht mehr nur das Gehalt zählt, sondern das Gesamtpaket stimmen muss – unabhängig vom Alter des Bewerbers –  ist ein Schreiben, das mich letzte Woche erreicht hat:

„Sehr geehrte Frau Gans,

Sie haben mich im Büro angerufen. .. Eigentlich ist das ein absolutes No-Go, aber Frechheit siegt bekanntlich und sie haben etwas von einem Job in der Lichtbranche erwähnt – da will ich dann doch mal nicht so sein und Näheres dazu erfahren.

Eigentlich habe ich bei meinem Unternehmen einen super Job. Meine Chefin ist klasse, die Firma ist wirtschaftlich bärenstark aufgestellt, ich habe supernette Kollegen und Chefs, meine Tätigkeit ist interessant und verantwortungsvoll und ich kann jeden Tag etwas Neues dazulernen. Und wir haben seit Neuestem schicke Büros und eine nagelneue Kantine mit zwei fähigen Köchen. Auch das Gehalt stimmt – wir bekommen deutlich mehr, als ausgemacht ist.

Bei meiner aktuellen Tätigkeit konnte ich von nahezu Null weg sehr viel über LEDs lernen. In Kürze wird mein Unternehmen mit einem neuen Gerät, welches eine sehr helle und funktional abgesicherte Beleuchtung erfordert, in den Markt eintreten – entwickelt von meinen Kollegen und mir. Wir begründen eine neue Geräteklasse und sind hierbei (wieder einmal) weltweit die Ersten, die Werbetrommel wird hierfür schon mächtig bearbeitet. Sogar einen Designpreis konnten wir damit schon einheimsen. Die darin enthaltenen Leistungs-LEDs wurden von mir ausgelegt und auch optisch vermessen, zusammen mit meinem Kollegen habe ich dann die dazu passende Elektronik entwickelt. Natürlich waren noch einige andere Kolleginnen und Kollegen aus der Elektrokonstruktion, der mechanischen Konstruktion, der Prüfabteilung, der Dokumentationsabteilung und noch weitere beteiligt, auch von Extern – Erfolg hat bekanntermaßen viele Väter. Auch ein paar Patente sind dabei angefallen. Sie sehen – LEDs bzw. Lichttechnik sind mittlerweile auch meine Welt geworden – und das, obwohl ich eigentlich Technische Informatik studiert habe. Gewiss wird es an diese Neuentwicklung noch für etliche Jahre Anschlussprojekte geben.

Wir haben noch so einiges vor – und trotzdem könnte mich eine interessante Tätigkeit in einer anderen Firma reizen. Wie müsste so ein Job aussehen? Über Gehalt brauchen wir jetzt nicht zu reden, eine wettbewerbsfähige Vergütung setze ich jetzt einfach mal voraus. Die Tätigkeit müsste technisch gesehen vorderste Front sein – an der Grenze des technisch Machbaren eben. Mir macht es großen Spaß , Nüsse zu knacken und nach technischen Lösungen zu suchen, für die es noch keinen gängigen Lösungsweg gibt und wo man auch mal einen Weg einschlagen muss, nur um festzustellen, dass er in einer Sackgasse endet und der Gedanke „ums Eck herum“ schließlich doch zum Ziel führt. Das kann man natürlich nicht in einer One-Man-Show stemmen – ein nettes Kollegenteam, mit dem man sich gut versteht sowie eine zeitgemäße Laborausstattung sind ebenfalls sehr wertvoll. Und die Kantine muss gut sein! Was ich nicht mag, sind die „Bremser“ – die haben nur ihren Terminplan und das Entwicklungsbudget im Auge.

[…] Nun bin ich gespannt, was Sie mir am Telefon eigentlich tatsächlich mitteilen wollten!“

Ein interessierter Kandidat, wie ich meine und seine Ansprüche sind repräsentativ. Suchen auch Sie Talente und zukünftige Leistungsträger, dann verpacken Sie Ihr Angebot ordentlich und seien Sie gefasst darauf, dass sich Ihr Wettbewerb bereits gut aufgestellt hat.

Ihre Stephanie Gans

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