Mangelnder Respekt vor Bewerbern – Nachholbedarf bei vielen Unternehmen!

Daniel Haes

Wer sich heute als Bewerber auf die Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung begibt, hat viele Hürden zu meistern. Angefangen mit einer herausstechenden Bewerbung, qualifizierenden Ausbildungs- oder Studienabschlüssen bis hin zu entsprechender Berufserfahrung und den notwendigen sozialen Kompetenzen. Nicht wenige investieren viel Zeit und Arbeit in die Erstellung Ihrer Bewerbungsunterlagen, um sich für eine Anstellung zu empfehlen.

Umso ärgerlicher ist es, wenn der Kandidat im Laufe des Bewerbungsprozesses keinerlei Rückmeldung erhält. In Zeiten der elektronischen Kommunikation sollte es ein leichtes sein, Bewerber mit geringem Aufwand über den Status Ihrer Bewerbung auf dem Laufenden zu halten oder Sie mit einer Absage zumindest darüber zu informieren, dass Sie für den weiteren Prozess nicht vorgesehen sind.

Laut einer Forsa-Umfrage unter 507 qualifizierten und leitenden Angestellten ärgern sich 62 % über keine oder zu späte Antworten auf Ihre Bewerbungen, 58 % bemängeln ausbleibendes Feedback nach einem Bewerbungsgespräch und für 52 % der Befragten ist es unbefriedigend nicht über den Grund einer finalen Absage informiert zu werden.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass ich lediglich von etwa 60 % der Unternehmen bei denen ich mich während meines beruflichen Werdegangs beworben habe, eine Rückmeldung erhielt. Aber warum ist das so? Sind es mangelhafte Prozesse im Rekrutierungsprozess, geringe Wertschätzung dem Bewerber gegenüber, fehlendes oder ungeschultes HR-Personal oder vielleicht Probleme mit den verstärkt genutzten Online-Bewerbungsportalen. Vielleicht ist es aber auch nur ein fehlendes Bewusstsein für die Konsequenzen eines unprofessionellen Bewerbungsprozesses.

Häufig vergessen Unternehmen, dass in der heutigen Zeit ein attraktives und qualitatives Employer-Branding nicht nur aus einer schicken Internetseite und herausstechenden Argumenten für den Arbeitgeber besteht, sondern eine transparente und professionelle Kommunikation mit den Kandidaten ebenso unerlässlich ist. Der Bewerber, der heute keine Rückmeldung zu seinen gesendeten Unterlagen erhält wird sich unter Umständen nicht erneut bewerben und schildert seine negativen Eindrücke mitunter auf Social-Media-Portalen wie Kununu, die anderen Bewerbern deutlich machen, ob es sich lohnt eine Bewerbung an das besagte Unternehmen zu senden oder nicht.

Im Umgang mit Kandidaten geht es daher neben der professionellen Kommunikation auch um Verlässlichkeit und Wertschätzung, denn wer möchte schon bei einem Unternehmen arbeiten, welches diese Werte im ersten Schritt der Zusammenarbeit nicht vorlebt. Viele Unternehmen vergessen auch, dass Sie hierbei nicht nur einen Bewerber, sondern vielleicht sogar einen potentiellen Kunden verprellen. Grundsätzlich sollte sich jeder HR-Mitarbeiter in die Rolle der Bewerber hineinversetzen, um nachzuvollziehen wie sich die sogenannte „Candidate Experience“ im eigenen Unternehmen darstellt.

Aus meiner persönlichen Erfahrung als Bewerber und Personalleiter habe ich gelernt, dass die regelmäßige und offene Kommunikation mit Kandidaten unabdingbar ist und ein rechtzeitiges Feedback zum Bewerbungsstand und Prozessverlauf dem Kandidaten nicht im Dunkeln stehen lässt. Ebenso erhält jeder Kandidat, den ich in einem persönlichen Interview getroffen habe eine ehrliches und direktes Feedback mit einer Begründung der Entscheidung, denn letztlich verstehe ich mich nicht nur als Partner unserer Mandanten, sondern sehe auch meine Verantwortung den Kandidaten gegenüber.

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