Jobprofil: Querulant! Was tun gegen solche Mitarbeiter?

Andreas U.

Ich hatte vor meiner Beratertätigkeit das Vergnügen, eine Kollegin lange Zeit zu kennen, die durch ihren Pessimismus viele Ideen anderer Kollegen madig machte. Vergangene Woche las ich in der FAZ einen passenden Artikel zu dem Thema Nörgler am Arbeitsplatz. Ich fühlte mich zutiefst angesprochen. Nicht nur war meine Kollegin gegen alles und jeden und sah selbst überall Quertreiber und Risiken, sie versuchte gar, möglichst viele Zuhörer auf ihre Seite zu bringen. Zudem mischte sie sich auch in Vorgänge ein, die ihren Fachbereich nicht tangierten.

Der Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschreibt eine aktuelle Studie des Software-Anbieters Cornerstone zum Fehlverhalten am Arbeitsplatz (toxic behavior) inklusive Gewalt, Sucht und Betrug. So weit will ich bei meiner Kollegin gar nicht gehen. Mir genügte bereits, dass sie es mit Hingabe darauf anlegte, gute Laune, Erfolge und positive Energie nur zu vernichten.

Die „alten Hasen“ im Team ließen sich dadurch nicht beeindrucken und gaben der Kollegin keine Bühne für ihre Politik. Die jüngeren Kollegen aber hielten die Streitkultur für eine notwendige Gepflogenheit. Hinzu kam, dass sich mancher Bereichsleiter oder Geschäftsführer durch das andauernde Nörgeln beeinflussen ließ und deshalb interessante Ansätze abwinkte, die ich als Chance gesehen hatte.

Die Ursache vermuteten wir damals, war wohl ihr Geltungs- und Aufmerksamkeitsbedürfnis sowie eine Art Sucht, andere für sich und ihre Meinung zu gewinnen. Hinzu kommt, dass die heutige Gesellschaft eine Mecker-Kultur entwickelt hat und zunehmend empfänglich ist für Konflikte, Egoismus und Besserwisserei. Es besteht Ansteckungsgefahr! Im Falle meiner Kollegin war das Ergebnis, dass auch sehr gute Kollegen das Unternehmen verließen oder um eine Versetzung innerhalb der Firmengruppe baten, um ihr zu „entkommen“.

Ich gehe davon aus, dass es unterschiedliche Ansätze gibt, um Nörgeleien klein zu halten. Aus meiner Sicht ist die erfolgversprechendste Chance, dem Dauer-Pessimisten den Nährboden zu entziehen, die Auseinandersetzung ohne Emotionen zu behandeln, sie um schriftliche Stellungnahme zu bitten und den Nörgler durch klare Aufgabenteilung zur konstruktiven Mitarbeit zu zwingen. Leider habe ich das damals nicht konsequent verfolgt, denn es ist harte Arbeit, jemandem, der nie Harmonie kennengelernt hat, Optimismus beizubringen.

Natürlich gibt es immer mal Reibungspunkte, aber mit der heutigen Erfahrung und der in meinem Team vorhandenen Gesprächskultur schaffen wir seit Jahren eine gute Balance zwischen berechtigtem Einwand, konstruktiver Zusammenarbeit und gesundem Optimismus. Zurückblickend liegt es an jedem selbst, den Kollegen und Führungskräften, sich für die gemeinsamen Bedürfnisse, Erfolge und das Wohlbefinden des Mitarbeiters zu interessieren, nicht nur im Mitarbeitergespräch.

Meine Erfahrung als Optimist sagt mir, wir müssen an das Gute glauben, wenn gleich auf der anderen Schulter das Teufelchen sitzt um mit seiner oppositionellen Haltung gelegentlich auch berechtigte Einwände zu haben.

Viele Grüße,

Andreas Ungemach

 

 

Sollte Sie der Beitrag der FAZ (Autorin: Ursula Kals) interessieren, dieser ist am 07./08.10.17 erscheinen.

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